Über die Kunst, dem eigenen Takt wieder zu vertrauen
In diesem Artikel nehme ich dich mit in deinen Körper und wir reisen zu den verborgenen Prozessen, die in deinem Inneren deine emotionale Melodie weben:
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Ein persönliches Erschrecken
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Der natürliche Rhythmus des weiblichen Körpers
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Der Zyklus im Spiegel der Jahreszeiten
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Wie künstliche Hormone eingreifen
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Biochemie der Erschöpfung
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Hormone und ihre Wirkung auf unsere Emotionen
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Der Weg zurück in die Eigenregulation
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Eine Einladung, dich neu kennenzulernen
1. Mein persönliches Erschrecken
Ehrlich gesagt: Was ich bei der Recherche zu diesem Artikel herausgefunden habe, hat mich aufgerüttelt. Ich ahnte schon länger, dass da etwas nicht so ganz stimmig ist, doch das Ausmaß hat mich ziemlich nachdenklich gemacht.
1. Wenn du eine Frau bist, hast du dir jemals Gedanken um deinen natürlichen, femininen Lebensrhythmus gemacht?
2. Weißt du, wie du wirklich „tickst“?
3. Und ist dir bewusst, wie tief die künstlichen Interventionen unserer modernen Welt in diesen Rhythmus und damit in unsere Gesundheit eingreifen?
2. Der natürliche Rhythmus des weiblichen Körpers
In uns Frauen ist ein besonderer Takt angelegt, der sich jeden Monat wiederholt. Gleichmäßig und stabil. Die dafür benötigten Botenstoffe, Hormone und Stoffwechselprozesse sind fein und synchron aufeinander abgestimmt. Automatisierte Regelkreise steuern diese Vorgänge zuverlässig.
Bei der einen oder anderen wird dieser Rhythmus unterbrochen von einer Schwangerschaft, die in sich ebenfalls ein harmonisches, rhythmisches Geschehen birgt.
Dieser monatliche Zyklus ist eingebettet in einen größeren Lebensrhythmus, der verschiedene Phasen beinhaltet.
Auf dem Weg vom Kind zur erwachsenen Person vollziehen sich bei uns allen gravierende Veränderungen, egal welchen Geschlechts wir geboren werden.
Als weibliches Wesen setzt irgendwann in der Pubertät die erste Menstruation ein - die Menarche. Der feminine Leib entwickelt die Fähigkeit neues Leben zu gestalten und in die Welt zu bringen. Diese sogenannte fruchtbare Phase umfasst viele Jahre, gar Jahrzehnte im Leben einer Frau. Es ist ein unglaubliches Potenzial an Kreativität und Schöpferinnenkraft.
Was dann folgt wird als Menopause bezeichnet: der Stoffwechsel stellt sich ein weiteres Mal um und die Frau kommt in die Phase der Weisheit bis irgendwann das Senium einsetzt und wir uns aufmachen zur letzten großen Reise.
Aus meiner persönlichen Perspektive ist dieser rhythmischer Wandel wie eine Art kosmisches Gesetz. 💫
3. Der Zyklus im Spiegel der Jahreszeiten
Vergleichbar sind diese Phasen mit den Zyklen der Natur:
Frühling🌷➡️Sommer 🌞➡️ Herbst🍂 ➡️ Winter ❄️.
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Wir wachsen und blühen auf – Frühling pur in der Kindheit,
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wir entfalten uns und gedeihen, bauen unser Leben auf – der Sommer beginnt nach der Pubertät,
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wir reifen und ernten – der Herbst wird mit der Menopause eingeläutet und
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schließlich ziehen wir uns mehr zurück, genießen die Ruhe und Erfahrung des Alters – der Lebenswinter endet mit unserem Eintritt ins „Next Level“.
Klingt irgendwie harmonisch und friedlich, nicht wahr?
4. Wie künstliche Hormone eingreifen
In meiner Praxis erlebe ich jedoch immer wieder, wie Frauen diesen natürlichen Rhythmus ablehnen, sich selbst abweisen, Zyklen unterdrücken und sich selbst und ihren Leib ausblenden. Oder schlimmer noch, sich für ihre zyklische Natur schämen.
Das stimmt mich traurig, denn dieser harmonische Takt ist der Rhythmus des Lebens.
Ein pragmatisches Mittel in diesen natürlichen Takt des Lebens einzugreifen, ist es hormonell zu verhüten.*₁ Oft wird bereits im jugendlichen Alter für „Hautprobleme“, „Menstruationsbeschwerden“ etc. die „Pille“ verschrieben.
Ich weiß, aktuell wird das nicht mehr ganz so leichtfertig getan und laut Techniker Krankenkasse wird nur noch ca. 26 % der jungen Mädchen und Frauen im Alter von 13-21 Jahren die Pille verschrieben. Das Bewusstsein hat sich verändert. Und Wissen um Frauengesundheit nimmt glücklicherweise immer mehr den Stellenwert ein, den es für gesunde, selbstbestimmte und reflektierte Entscheidungen braucht.
Dennoch beobachte ich in meinem Praxisalltag, dass Frauen meiner Generation und älter mindestens bis zum 50. Lebensjahr an der hormonellen Verhütung fast durchgängig festhalten, bis die Gynäkologin/ Gynäkologe befindet, dass es nun reicht und wahrscheinlich die Menopause bevorsteht.
Also fast die gesamte Zeit ihrer „Sommerphase“ ist dem künstlichen hormonellen Rhythmus der Pille unterworfen. Ca. 35% der Frauen im gebärfähigen Alter nehmen deutschlandweit die Pille.
Und ich glaube wir verstehen erst jetzt so langsam, was das eigentlich mit dem Gesamtstoffwechsel von Frauen macht.
5. Biochemie der Erschöpfung: Was passiert durch zugeführte Hormone?
Ganz nüchtern betrachtet wird der natürliche Bezug zum eigenen Rhythmus verschleiert, gerade, wenn in sehr jungem Alter Hormone eingenommen werden.
Im Prinzip wird der weibliche Körper durch die Wirkstoffe der Hormonpräparate Östrogen und Gestagene in einer Art künstlicher, dauerhaften Lutealphase versetzt.
Die Lutealphase ist der Abschnitt im natürlichen Zyklus, der nochmals unterteilt werden kann:
1. Zunächst steigt Progesteron an, welches durch den Gelbkörper im Eierstock gebildet wird und Östradiol sinkt. Die Gebärmutterschleimhaut wird gut durchblutet und die Körpertemperatur steigt an - alles ist auf Empfängnis eingestellt.
2. Findet keine Empfängnis statt, setzt der zweite Prozess in dieser Phase ein, der Gelbkörper bildet sich zurück, der Progesteronspiegel sinkt.
Durch künstliche Hormone wird diese Schwankung nivelliert. Es herrscht ein immer gleicher Spiegel sowohl von Gestagenen (Progesteron) und Östrogenen (Östradiol), der aber weit unter den natürlichen Hormonspiegeln liegt.
Wichtig zu wissen ist hierbei, dass das weibliche System die körpereigene Hormonproduktion zurückfährt, da diese Prozesse wie oben erwähnt in einer Rückkopplungschleife eingebunden sind. Es erfolgt also das Signal an die Hormondrüsen: „genug Hormone im Blut“.
Daneben stellt diese "künstliche Lutealphase" einen fundamentaler Eingriff in die natürlichen Kommunikationssysteme des Körpers dar. Biochemisch wird er in einen Zustand versetzt, der eine Art "frühe Schwangerschaft" simuliert.
Das bedeutet auf Ebene des Stoffwechsels:
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Erhöhte Insulinresistenz (Energiespeicherung für den "Fetus")
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Verlangsamter Grundumsatz
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Veränderte Nährstoffverwertung
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Immunsystemmodulation (damit der sich potenziell einnistende Fetus als ‚körpereigen‘ klassifiziert wird)
Gleichzeitig erhält das Gehirn widersprüchliche Signale:
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Lutealphase-Hormone: "Ruhe dich aus, spare Energie", Entspannung
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Aber parallel: Fehlen die natürlichen Progesteron- Zwischenstufen, die normalerweise angstlösend wirken und uns in einen entspannten Zustand versetzen (die durch die Pille erreichten Spiegel sind einfach insgesamt zu niedrig)
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Plus: Eingriff in die Hypothalamus-Hypophyse-Nebenniere – Achse, dass bedeutet die Cortisolspiegel sind dauerhaft viel zu hoch, es ist für das System, als ob eine permanente Stresssituation herrscht (Flucht oder Kampf)
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die Bildung der Vorstufen von Testosteron und Östrogen wird eingestellt, so dass selbst für Frauen die Testosteronspiegel viel zu niedrig sind, was zur Folge hat, das Muskeln schwinden, der Antrieb abnimmt und langfristig steigt das Risiko für Osteoporose
Dein System und dein Gehirn versuchen nun ständig, diese widersprüchlichen interozeptiven Signale zu interpretieren und „korrekt“ zu beantworten.
Es läuft quasi permanent ein Korrektursystem was zu Lasten deiner Energiereserven und deiner emotionalen Stabilität arbeitet. Für den Stoffwechsel heißt das: hohe 'Kosten' bei Ergebnislosigkeit und ein Gefühl der dauerhaften Erschöpfung sowie Verlust der natürlichen Lebendigkeit.
6. Hormone und ihre emotionale Wirkung
Hormone und Neurotransmitter haben allgemein betrachtet neben der rein körperlichen Funktion des Stoffwechsels immer auch Auswirkungen auf unsere Stimmungslage.
Hier einige Beispiele, damit du eine Vorstellung davon bekommst, wie diese Botenstoffe unsere emotionale Verfassung beeinflussen:
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Östrogen: Gelassenheit, Großzügigkeit und Lebensfreude (‼️ wird aus Vorstufen von Cholesterin gebildet)
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Progesteron: Entspannung, angstlösend, ein schönes „Nest“ bereiten, es sich gemütlich machen, kuscheln
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Oxytozin: Nähe, Vertrauen, Bindung
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Testosteron: Kraft, Selbstbewusstsein, Gefühl von Energie und Antrieb
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Endorphin und Serotonin: Rausch, Ekstase, Schmerzfreiheit
7. Der Weg zurück in die Eigenregulation
Wird die Pille dann nach Jahren oder gar Jahrzehnten abgesetzt, müssen dein Körper und du erst wieder lernen, wie du natürlicherweise funktionierst, wie dein System mit dir spricht und was es wirklich braucht.
Es dauert eine ganze Weile, bis zu einem Jahr, bis sich der Stoffwechsel, Hormonhaushalt und die Neurotransmitterregulation normalisiert haben. Es ist, als ob du über Jahre gleichzeitig gedämpft und gedoped warst.
Oft befinden sich die Frauen bei Absetzen bereits in der Perimenopause, in der weitere hormonelle Veränderungsprozesse und Übergänge stattfinden.
Hormonelle Veränderungen, Wandel in der familiären Situation, alternde Eltern, all das fordert uns in dieser Phase ebenfalls besonders heraus.
Mein Appell an dich: bitte pathologisiere dich nicht sofort, wenn du die Pille nach Jahrzehnten des Gebrauchs absetzt.
Ja, es ist wie eine Art Entzug!
Ja, du wirst zunächst vielleicht permanent erschöpft sein!
Ja, du hinterfragst Bereiche deines Lebens und wirst sie neu bewerten!
Doch es ist eine Chance, dich selbst wieder besser kennenzulernen. Du hast die Gelegenheit, dich wieder auf einer tieferen Ebene mit dir selbst zu verbinden. Dazu macht es Sinn, die natürlichen hormonellen Prozesse und Stoffwechselaktivitäten zu verstehen. Sie machen auch emotional etwas mit dir.
Ein weiterer wichtiger Punkt ist, deinem Körper etwas Gutes zu tun, indem du ihm vollwertige und gesunde Nahrung gibst und bei Bedarf auch Vitamine (B12, D...) und Mineralstoffe (Eisen, Zink, Selen) extra zuführst. Durch die Einnahme der Pille ist hier oft ebenfalls ein Defizit entstanden. Hier ist es sinnvoll, die Depots wieder aufzufüllen. Ein Blutbild schenkt dir hierüber Klarheit.
8. Folge der Einladung dich wieder neu kennenzulernen
Lerne deinen Leib neu kennen, spüre in dich hinein und vor allem gib dir und deinem System Zeit, neu in dir anzukommen. Durchbrich die Entfremdung von dir selbst und beobachte genau, was dir gut tut und was dir schadet.
Wie ich bereits am Anfang geschrieben habe: alle Botenstoffe, Hormone und Stoffwechselprozesse sind fein und synchron aufeinander abgestimmt. Regelkreise greifen ineinander und lenken stabil alle Vorgänge in uns. Wenn man es zulässt, läuft alles automatisiert und ohne unser aktives Zutun ab. Diese Tatsache ist ein verlässlicher Fakt.
Deine Aufgabe ist es lediglich dafür zu sorgen, die Signale deines Körpers korrekt zu entschlüsseln und ihm die nötigen Baustoffe in Form von Vitaminen, Mineralstoffen, essentiellen Fetten und vielem mehr zur Verfügung zu stellen. So bleibst du gesund und hast die nötige Kraft, deinen Alltag gesund zu gestalten auch und gerade dann, wenn hormonelle Umstellungen dein Leben auf den Kopf stellen.
* ₁) Wichtiger Hinweis: Dieser Artikel ersetzt keine medizinische Beratung. Entscheidungen über Verhütungsmethoden sollten immer individuell und in Absprache mit medizinischen Fachkräften getroffen werden.
Autorin: Melanie Fechner-Scholz
Hey, ich bin Melanie, Mentorin für somatische Intelligenz. Ich begleite Frauen zurück in eine entspannte, verkörperte Beziehung zu sich selbst.
In meiner Arbeit verbinde ich somatische, mentale und emotionale Klarheit mit Orientierung und innerer Ordnung.
Damit du dich leichter, sortierter und wieder in dir zu Hause fühlst.
