Inhalt:
- SOMATISCH ist DIE grundlegende Sprache
- Wie kommuniziert dein Körper?
- Einklang von Innen und Außen
- Emotionen als Botschafter
- Beispiel für einen Emotionslernprozess: Codierung von Schmerz
- Somatische Intelligenz entwickelt sich
- Gute Bedingungen für somatische Intelligenz
1. SOMATISCH ist DIE grundlegende Sprache
Die Sprache SOMATISCH ist die grundlegendste Interaktionsform in jedem Menschen und auch zwischen uns allen. Jeder Mensch kennt Signale des Körpers wie:
• Herzklopfen
• plötzliches Schwitzen
• schnelle und langsame Atmung
• Ohrensausen
• ein flaues Gefühl im Bauch
Da du ein somatisch intelligentes Wesen bist, fällt es dir in den meisten Fällen leicht, diese Zeichen korrekt einzuordnen und adäquat darauf zu antworten in Form eines
bestimmten Verhaltens.
Denn somatische Intelligenz bedeutet, die Sprache deines Körpers zu verstehen und angemessen darauf zu reagieren.
Somatische Intelligenz umfasst drei Ebenen:
• Körperwahrnehmung
• emotionale Regulation
• kognitive Kompetenz mit einem offenen Mindset
Diese Fähigkeiten entwickeln sich im Laufe des Lebens durch Erfahrung und soziales Miteinander.
Die gute Nachricht ist, somatische Kompetenz lässt sich üben, wenn du die Mechanik dahinter einmal verstehst.
2. Wie kommuniziert dein Körper?
Dein Körper teilt sich auf sehr klare Weise mit, nämlich über drei somatisch-emotionale Basisbefindlichkeiten:
- Wohlbefinden, wenn alles in einem positiven natürlichen Gleichgewicht ist
- Unwohlsein, wenn die Balance durch innere oder äußere Reize oder beides gestört ist
- neutrale Zustände, wenn alles ok ist, aber bald ein Kipppunkt erreicht ist, in die eine oder andere Richtung
Dein System kombiniert diese drei somatisch-emotionalen Grundzustände zusätzlich mit Aufregung oder Ruhe, je nach Situation, Kontext und frühere Erfahrungen.
Das Besondere ist, dass die dazugehörigen Prozesse hauptsächlich in deinem Inneren stattfinden in Form von Stoffwechsel, Hormon- und Transmitterfreisetzung sowie Immunmodulation.
Die Empfindungen aus deinem Körperinneren werden auch als Interozeption bezeichnet, dazu gehören zum Beispiel:
- deine Atemfrequenz,
- Spannungen in deinem Gewebe,
- Signale aus deinem Darm.
Diese interozeptiven Informationen verarbeitet dein Nervensystem auf unterschiedliche Weise und je nach Erfordernis, wird eine Handlung, ein Verhalten oder ein Stimmungslage
„gemacht“.
Die Gabe, innerkörperlich wahr zu nehmen ist für dich, für mich, für uns alle essentiell und sie geschieht völlig automatisiert. Jedes interne Signal trägt Botschaften in sich. In der Regel
spüren wir diese Botschaften als die weiter oben beschriebenen Basisempfindungen und erleben Gefühle, Emotionen, sinnliche Empfindungen.
Natürlich sind wir nicht von der Außenwelt, unserem Umfeld und der Umwelt isoliert. Unser ganzes Sein steht in permanentem Austausch zwischen äußeren Reizen und innerem Erleben.
Für die Wahrnehmung und Verarbeitung von Reizen aus unserer Umwelt stehen uns unsere Sinnesorgane zur Verfügung. Sie alle sind fest mit dem Nervensystem und dem Gehirn verdrahtet.
3. Einklang von Innen und Außen
Erst das Zusammenspiel von äußeren Reizen in Form von Sinneseindrücken und innerkörperliche Wahrnehmungen in Gestalt der Interozeption mit dem
neurophysiologischen System ist somatische Kommunikation.
Voraussetzung für das Wahrnehmen, Fühlen und Denken ist ein funktionierendes, intaktes somatisches System und die Fähigkeit des Empfindens. Es braucht die materielle Substanz, also deinen
gesunden Körper mit all seinen Organen, Sinnesrezeptoren und ein unversehrtes Nervensystem.
Im Körper laufen kontinuierlich Stoffwechselprozesse, Hormonzyklen und Transmitterfreisetzungen ab, je nach dem welche inneren und äußeren Reize aktuell einwirken.
Ziel deines Systems ist es immer, die innere und äußere Wahrnehmung in Einklang zu bringen.
Dein Gehirn braucht die Gewissheit, Erlebtes und Empfundenes eine gewisse Kohärenz und einen Sinn zu verleihen.
4. Emotionen als Botschafter
Gefühle, Emotionen und Stimmungen sind dabei wie Landmarken der somatischen Intelligenz.
Und das funktioniert folgendermaßen:
Reize aus dem Inneren und Außen werden wahrgenommen
↓
das Gehirn verarbeitet diese Reize und gleicht sie mit älteren, früheren Erfahrungen ab
↓
dies geschieht innerhalb von Millisekunden, mit Lichtgeschwindigkeit sozusagen
↓
es erstellt blitzschnell Prognosen, was als nächstes geschehen wird
↓
dazu vergleicht es die aktuelle Situation, den Kontext, frühere Erfahrungen, Gelerntes, Überzeugungen miteinander
↓
es werden elektrochemische Signale in Form von Transmittern und Hormonen freigesetzt
↓
diese lösen meist eine bestimmte Stimmung aus
du erinnerst dich: Wohlbefinden, Unwohlsein oder Neutralität kombiniert mit Aufregung oder Ruhe
↓
du wirst dir deiner Empfindung bewusst
↓
dies löst ein bestimmtes, in der Situation angemessenes Verhalten oder eine Handlung aus
Wir lernen in der Kultur, in der wir aufwachsen, Konzepte dieser Gefühle und Stimmungen und geben ihnen Namen wie:
• Trauer
• Angst
• Schmerz
• Zufriedenheit
• Glück
• Freude
5. Beispiel für einen Emotionslernprozess: Codierung von Schmerz
Jeder Mensch lernt im Kleinkindalter laufen. Das Laufenlernen geht einher mit unzähligen Stürzen.
Fallen wir also im Laufe des Lauflernprozesses auf die Knie und schürfen sie uns auf, produziert unser Körper eine spezifische Empfindung, die wir zunächst nicht einordnen
können, außer dass es sich äußerst unangenehm anfühlt.
In unserer Kultur lernen wir dann, dass diese Empfindung ‚Schmerz‘ genannt wird.
Daneben löst dieses Ereignis die unterschiedlichsten Reaktionen in unserem unmittelbaren Umfeld aus. Wir bekommen wahlweise Aufmerksamkeit, Mitgefühl, Trost und Fürsorge oder es wird uns
vermittelt, dass es ‚nicht so schlimm ist‘ und wir uns zusammenreißen sollen oder auch etwas ganz anderes.
Je nachdem, was kulturell, in der jeweiligen Familie und in diesem Umfeld mit diesem Kontext als stimmige Reaktion für diese spezifische Situation gilt.
In unserem episodischem Gedächtnis speichern wir dann alle Elemente, Reaktionen und Worte für diese Situation ab und codieren so die Emotion „Schmerz“
und können dieses Wissen in ähnlichen Situationen wieder abrufen, anwenden, daraus lernen und uns weiterentwickeln.
6. Somatische Intelligenz entwickelt sich
Alle Erfahrungen verinnerlichen wir auf diese Art und Weise. Sie prägen uns in Kindheit und auch noch bis ins hohe Erwachsenenalter dank der Plastizität unseres Nervensystems.
Erleben wir dann ähnliche Situationen, erstellt unser Gehirn wieder blitzschnell Prognosen, macht Empfindungen und Stimmungen und ermöglicht dadurch angemessene Reaktionen und
Verhaltensweisen.
Nach und nach entwickelt sich dann das, was ich als somatische Intelligenz bezeichne.
Es ist für mich die Fähigkeit, die Sprache deines Körpers korrekt zu entschlüsseln und angemessen auf die Signale und Empfindungen zu reagieren.
Sie baut auf der Kompetenz auf, kluges, aktuelles Wissen flexibel in das eigene Mindset zu integrieren und Emotionen gesund zu regulieren.
7. Gute Bedingungen für somatische Intelligenz
Somatische Intelligenz entwickelt sich auf dem Nährboden von:
✓ **Körperkontakt** – Den eigenen Körper sehr gut kennen
✓ **Selbstfreundschaft** – Dich selbst mögen und gern mit dir selbst befreundet sein
✓ **Konzepte** – Worte und Sprache, um Empfindungen zu benennen
✓ **Offenheit** – Bereitschaft, Erfahrungen neu zu bewerten
✓ **Spürfähigkeit** – Dich mit deinem Körper verbinden können
Dies sind Voraussetzungen für:
→ Gesunde Selbstfürsorge
→ Smarten Umgang mit eigenen Ressourcen
→ Entwicklung von Kohärenzsinn und Resilienz
Du möchtest deine somatische Intelligenz entwickeln und mehr darüber erfahren?
Dann empfehle ich dir, regelmäßig auf meiner Webseite und dem Blog vorbeizuschauen. Nach und nach werden mehr Artikel mit wertvollen Inhalten zum Thema veröffentlicht.
Ich wünsche dir viel Freude beim Entdecken deiner persönlichen somatischen Intelligenz.
Autorin: Melanie Fechner-Scholz
Hey, ich bin Melanie, Mentorin für Selbstwirksamkeit.
Ich begleite Frauen zurück in eine entspannte, verkörperte Beziehung zu sich selbst.
In meiner Arbeit verbinde ich somatische, mentale und emotionale Klarheit mit Orientierung und innerer Ordnung.
Damit du dich leichter, sortierter und wieder in dir zu Hause fühlst.
FAQ: Häufige Fragen zu somatischer Intelligenz
# Kann man somatische Intelligenz lernen?
Ja! Somatische Intelligenz entwickelt sich durch Erfahrung und lässt sich durch bewusste Körperwahrnehmung, emotionale Arbeit, Reflexion und durch die Auseinandersetzung mit deiner Haltung,
deinen Gedanken trainieren.
# Was ist der Unterschied zu emotionaler Intelligenz?
Emotionale Intelligenz fokussiert auf Gefühle in Zusammenhang mit sozialen Interaktionen. Somatische Intelligenz beginnt tiefer: beim Körpersignal selbst, noch bevor es zum Gefühl
wird.
# Woran erkenne ich, dass meine somatische Intelligenz gering ist?
Typische Anzeichen: Du spürst deinen Körper kaum, er fühlt sich taub und fremd an, du ignorierst Warnsignale und Symptome, kannst Gefühle schwer benennen oder reagierst unangemessen auf
körperliche Bedürfnisse.
# Wie lange dauert es, somatische Intelligenz zu entwickeln?
Du bist bereits somatisch intelligent, nur ist dir das Wissen darum im hektischen Alltag und in unserer verdichteten Welt abhanden gekommen. Die Erinnerung und das wieder Trainieren dieser
Fähigkeit ist individuell. Manche spüren schon nach Wochen Veränderungen, andere brauchen Monate. Entscheidend ist die regelmäßige Praxis und das Verständnis für dich selbst.
